AG Treibhausgase und ozonzerstörende Substanzen

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Bilder: A. Engel, GUF. Marina Schimpf, DLR.  Tanja Schuck, GUF. Katharina Meixner, GUF. 


Forschungsschwerpunkte

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit langlebigen Spurengasen in der Atmosphäre, vor allem halogenierten Gasen. Diese können sowohl als Treibhausgase wirken, als auch zum Ozonabbau in der Stratosphäre beitragen. Die meisten Messungen werden mit Hilfe der GC/MS (GasChromatographie/MassenSpektrometrie) durchgeführt, allerdings kommen auch andere Detektoren und optische Messverfahren zum Einsatz. Unsere experimentellen Arbeiten ergänzen wir durch Untersuchungen unter Verwendung der Ergebnisse atmosphärischer Chemietransportmodelle. Die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte sind:

  • Troposphärische Messungen von Treibhausgasen und ozonzerstörenden Substanzen am Taunus-Observatorium, unserer Messstation auf dem Kleinen Feldberg in der Nähe von Frankfurt. Hierfür setzen wir GC/MS-Methoden ein, insbesondere das Medusa System welche im Rahmen des internationalen Messnetzwerkes AGAGE betrieben wird. Zusätzlich sammeln wir im Rahmen von Projekten auch Proben an anderen Stationen, die an unserem Labormesssystem vermessen werden. Insgesamt können wir fast 100, hauptsächlich halogenierte, Kohlenwasserstoffe quantifizieren. Die Messungen erlauben die Bestimmung langfristiger Trends und die Ableitung regionaler Emissionen.
  • Flugzeugmessungen halogenierter Spurengase, um den Eintrag von Brom und Chlor in die Stratosphäre zu charakterisieren und zur Untersuchung von Transportprozessen. Hierfür kommt vor allem das selbst entwickelte GC/MS System GhOST-MS auf dem Forschungsflugzeug HALO zum Einsatz. Außerdem analysieren wir Luftproben die im Rahmen von IAGOS-CARIBIC auf regulären Lufthansa-Flügen gesammelt werden.
  • Messungen sehr langlebiger Spurengase in der Stratosphäre um das „mittlere Alter“ der stratosphärischen Luft, seine Variabilität und mögliche Änderungen des mittleren Alters zu untersuchen. Die Messungen werden von Ballonen und von Flugzeugen aus durchgeführt. Für die Ballonmessungen werden Luftprobensammler und ein AirCore Sammelsystem eingesetzt.
  • Untersuchungen unter Verwendung von Chemietransport- und Chemieklimamodellen, um die Wechselwirkung von Transport, Mischung und Chemie auf Spurengase in der Atmosphäre zu untersuchen, z.B. mit dem EMAC oder dem CLaMS Modell oder auch mit inversen Modellen zur Bestimmung von Emissionen.

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Bild: Tanja Schuck, GUF

Ozonschädigendes Chlor und Brom gelangen in Form von Quellgasen in die Stratosphäre. Diese werden vor allem durch menschliche Aktivitäten emittiert, z. B. durch die Verwendung von bromhaltigen Halonen in Feuerlöschern oder von chlorierten Kältemitteln in Autoklimaanlagen. Durch das Montreal-Protokoll wird die Verwendung vieler dieser Substanzen reglementiert. Die vielfältigen Anwendungen emittieren nun Ersatzstoffe mit einem geringeren ozonzerstörenden Potential in die Atmosphäre. Viele der Ersatzstoffe und der ozonzerstörenden Substanzen sind starke Treibhausgase und tragen damit zum menschgemachten Klimawandel bei. Die zeitliche Entwicklung der atmosphärischen Mischungsverhältnisse all dieser Gase bestimmt unsere Arbeitsgruppe mit regelmäßigen Messungen am Taunus-Observatorium. 

Das Taunus-Observatorium liegt gut 20 km nordwestlich von Frankfurt auf dem Kleinen Feldberg im Taunus (Hessen) auf 825 m ü. NN. Durch diese Lage ist das Observatorium ausreichend weit entfernt von lokalen Quellen und erlaubt dadurch die Durchführung repräsentativer Luftmessungen. So können dort sowohl wenig verschmutzte Hintergrundluftmassen als auch, durch die Nähe zum dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet, anthropogene Emissionen analysiert werden.

Begonnen wurde die Luftmessreihe im Oktober 2013. Seitdem werden am Taunus-Observatorium wöchentlich Luftproben in Edelstahlgefäßen genommen und diese im Labor unseres Instituts analysiert. Seit Ende 2017 wird am Taunus-Observatorium direkt vor Ort ein Mess-System für kontinuierliche Messungen betrieben. Mit diesem permanent installierten Mess-System werden vor Ort automatisiert mehrmals täglich Außenluftproben gemessen. Durch diese zeitlich höher aufgelösten Daten sind weitergehende Analysen möglich als bei der wöchentlichen Probennahme. 

Seit Februar 2023 betreiben wir ein Medusa-Messsystem am Taunus-Observatorium im Rahmen des AGAGE-Netzwerks. AGAGE ist das größte internationale Netzwerk zur Messung halogenierter Treibhausgase und ozonzerstörender Substanzen. Das Taunus-Observatorium ist die einzige deutsche Station im Netzwerk.

Ziel dieser Messungen ist u.a. eine bessere Abschätzung der regionalen Emissionen halogenierter Kohlenwasserstoffe. Darüber hinaus soll der Anstieg von Ersatzsubstanzen, wie z. B. der in Fahrzeugklimaanlagen eingesetzten Hydrofluoroolefine, in der Atmosphäre beobachtet werden. 

Die Tropoppause trennt Troposphäre und Stratosphäre. Die Tropopausenregion gilt als eine besonders klimarelevante Region, d.h. verhältnismäßig kleine Änderungen der Spurengaskonzentrationen können einen relativ großen Einfluss auf den bodennahen Strahlungsantrieb haben.

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Bilder: DLR

Wir messen halogenierte Spurengase mit dem GhOST-MS auf dem Forschungsflugzeug HALO und im Rahmen von IAGOS-CARIBIC. Damit untersuchen wir Transportprozesse und chemischen Budgets im Tropopausenbereich. Zum einen geschieht dies über die Bestimmung des mittleren Alters der Luft, also der mittleren Transportzeit von den troposphärischen Quellen, und zum anderen durch die Messung halogenierter Quellgase für Chlor, Brom und Iod in der Stratosphäre. Ein Schwerpunkt sind hierbei kurzlebige Quellgase von Chlor und Brom, die auch reaktive Halogene in die Stratosphäre eintragen können. Durch die Messung dieser Gase, die unterschiedlich lange Lebenszeiten haben, können wir untersuchen, auf welchen zeitlichen und räumlichen Skalen Transport in die Stratosphäre stattfindet.

Fast alle Luft in der Stratosphäre wird durch die tropische Tropopause aus der Troposphäre in die Stratosphäre eingetragen.

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Bild: GUF

Zwar ist der zonale Wind in der Stratosphäre schnell, der meridionale und vertikale Transport, der die Luft nun weiter in der Stratosphäre verteilt, ist aber langsam. Die Zeitskalen, die für diesen Transport benötigt werden, liegen im Bereich von Jahren. Während des Transports kommt es auch immer wieder zu Mischung. Deshalb besteht ein Luftpaket an einem bestimmten Ort der Stratosphäre aus einer Vielzahl von irreversibel vermischten Luftpaketen mit unterschiedlichen Transportwegen und Transitzeiten (siehe Abb.). Durch diese langen Transitzeiten unterscheiden sich die Mischungsverhältnisse von inerten Spurengasen zwischen Troposphäre und Stratosphäre, wenn diese Gase einen langfristigen Trend in der Troposphäre zeigen. Zwei Gase, die diese Bedingungen gut erfüllen, sind SF6 und CO2.

Abb: Schematische Darstellung der Brewer-Dobson Zirkulation und der Transportprozesse in der mittleren Atmosphäre. Troposphärische Luftmassen werden im Bereich der tropischen Tropopause in die Stratosphäre transportiert, wo sie dann über verschiedene Transportwege weiter verteilt werden. Über Spurengasmessungen können die verschiedenen Transportwege untersucht werden.

Mit Hilfe der Messung langlebiger Spurengase kann das mittlere Alter der Luft bestimmt werden, also der Mittelwert der Transitzeiten. In erster Näherung wird dies aus dem Zeitversatz bestimmt, mit dem ein bestimmtes Mischungsverhältnis in der Troposphäre und der Stratosphäre gefunden wird. Für eine genauere Bestimmung des mittleren Alters müssen dann noch Effekte durch nichtlineare Anstiegsraten und die Form der Transitzeitverteilung berücksichtigt werden. Sollte sich z.B. der Transport in der Stratosphäre beschleunigen, wie von aktuellen Klimamodellen vorhergesagt, dann sollte dies zu einer Abnahme des mittleren Alters führen.

Dieses mittlere Alter bestimmen wir sowohl aus SF6- als auch aus CO2-Messungen. Beide Substanzen können an Luftproben gemessen werden, die z.B. mit einem kryogenen Luftprobensammler in der Stratosphäre gesammelt werden. CO2 können wir mit Hilfe der AirCore Technik bestimmen, und SF6 messen wir auch auf dem HALO Flugzeug.

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Bild: GUF

Das mittlere Alter aus unseren Messungen wird einerseits verwendet, um Transportprozesse und Zeitskalen in der Stratosphäre zu untersuchen, aber auch, um langfristige Änderungen zu untersuchen. Hierzu ist am Institut ein Datensatz von über 40 Jahren vorhanden, der aktuell mit Hilfe von AirCore Messungen fortgeführt wird. Dieser Datensatz zeigt im Rahmen der Unsicherheiten keine signifikante Veränderung.

Neben Messdaten stratosphärischer Spurengase kommen auch Modellrechnungen von Chemietransport- und Chemieklimamodellen zum Einsatz. Diese Simulationen ermöglichen eine global aufgelöste Untersuchung dynamischer und chemischer Prozesse in der Stratosphäre in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Modellergebnisse finden unter anderem bei der Validierung neu entwickelter theoretischer Konzepte Verwendung. Mit Hilfe dieser Daten können die Methoden in verschiedenen Bereichen der Atmosphäre getestet und so Rückschlüsse gezogen werden, ob und wie eine Anwendung auf Beobachtungsdaten möglich ist. Beispielsweise wird untersucht, wie sich aus Messungen ozonzerstörender Substanzen (z.B. FCKW und Halone) in der Troposphäre Auswirkungen auf den chemischen Abbau und den Halogengehalt in der Stratosphäre ableiten lassen. Hierbei nutzt man auch sogenannte Altersspektren, die statistische Verteilungen von Transportzeiten stratosphärischer Luft darstellen. Problematisch daran ist, dass diese Spektren zwar im Modell theoretisch berechenbar sind, in der Realität allerdings nicht direkt mit Messungen überprüft werden können. Um dennoch einen Vergleich zu ermöglichen, werden Methoden zur Ableitung von Altersspektren aus Spurengasmessungen entwickelt.

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Bild: GUF

Die Kenntnis dieser Verteilungen ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Analyse der stratosphärischen Zirkulation. Die Untersuchung von Veränderungen dieses Transports in der Realität ist hauptsächlich durch Vertikalprofile von chemisch inerten Spurengasen realisierbar, aus denen das mittlere Alter abgeleitet werden kann.

Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Stärke der gesamten Transportprozesse und deren Änderungen ziehen. Hierbei zeigen Modelle und Messungen unterschiedliche Ergebnisse. In Zukunft könnte die Auswertung der Altersspektren dann dazu genutzt werden, die Änderungen der einzelnen Transportpfade getrennt zu untersuchen und genauere Aussagen zu treffen.


Instrumente und Methoden

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Das Medusa System am Taunus-Observatorium

Bild: Thomas Wagenhäuser, GUF

Am Taunus-Observatorium messen wir kontinuierlich halogenierte Kohlenwasserstoffe — überwiegend klimawirksame Spurengase und Substanzen mit ozonabbauendem Potenzial — mit dem Messsystem Medusa-GC-MS. Das System kombiniert eine hochmoderne Luftprobenanreicherung mit klassischer Gaschromatographie (GC) zur Trennung der Komponenten und Massenspektrometrie (MS) zur Identifikation und Quantifizierung.

Zentral hierfür ist die kryogene Luftprobenanreicherung: Umgebungsluft wird über tiefgekühlte Fallen konzentriert, wodurch atmosphärische Spurengaskonzentrationen im Ultraspurenbereich messbar werden. Durch die Konfiguration des Systems können auch sehr flüchtige Substanzen (NF3, CF4) zuverlässig erfasst werden. Details zur Medusa-Messtechnik sind auf der AGAGE Webseite verfügbar.

Unser System ist derzeit auf die kontinuierliche Messung von rund 100 Zielsubstanzen optimiert, mit einer Messhäufigkeit von bis zu 16 Umgebungsluftmessungen pro Tag. Damit erstellen wir hochwertige Langzeitmessreihen für klimarelevante Substanzen wie z.B. NF3, CF4, SF6, HFKW-23, sowie weitere F-Gase und Kohlenwasserstoffe. Auch die ozonzerstörenden Substanzen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs), Halone und chlorierte und bromierte Kohlenwasserstoffe sind Teil unseres Messspektrums. Zur Sicherung von Qualität und Vergleichbarkeit werden die Umgebungsluftmessungen durch achtmal tägliche Messungen eines Kalibrationsstandards kalibriert; zusätzlich erfolgt eine wöchentliche Vergleichsmessung mit höherwertigen Kalibrationsstandards im Rahmen des AGAGE-Netzwerks auf internationalen Kalibrationsskalen. So erreichen unsere Messwerte eine absolute Quantifizierung und internationale Vergleichbarkeit und können so für inverse Modellrechnungen regionaler und kontinentaler Emissionen verwendet werden.

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Bild: L.Hermann, GUF

Der Gaschromatograph (GC) GhOST MS (Gaschromatograph for Observational Studies using Tracers – Mass Spectromter) ist ein vollautomatisierter in-situ GC zur Messung verschiedener Spurengase. Das Gerät ist bei mehreren Kampagnen erfolgreich auf dem Forschungsflugzeug HALO eingesetzt worden. GhOST-MS hat zwei getrennte chromatographische Messkanäle.

Im ersten Kanal werden mit einer Zeitauflösung von einer Minute SF6 und CF2Cl2 (FCKW F12) mit einem Elektroneneinfangdetektor (Electron capture detector, ECD) mit sehr guter Präzision gemessen. Wegen der hohen Sensitivität kann hier eine direkte Injektion der atmosphärischen Probe auf die Trennsäule erfolgen. SF6 kann verwendet werden, um das Alter der Luft zu bestimmen, F12 ist ein Tracer für atmosphärischen Transport und die wichtigste Chlorquelle für die Stratosphäre.

Der zweite Messkanal von GhOST-MS beruht auf der GC/MS Messung; hier muss die Außenluft vor der Messung angereichert werden. Hierzu wird Außenluft über eine gekühlte Probenschleife geleitet, auf der die Spurengase ausgefroren und damit aufkonzentriert werden. Anschließend werden die Substanzen desorbiert, chromatographisch getrennt und im Massenspektrometer quantifiziert. Für eine besonders hohe Empfindlichkeit kann das MS in der chemischen Ionisation (CI) betrieben werden. In der Standardkonfiguration werden auf dem MS Kanal mit einer Zeitauflösung von vier Minuten alle bromierten Quellgase für die Stratosphäre gemessen, sowie einige chlorierte und iodierte. Zusätzlich kann das MS in der Elektronenstoßionisation (EI) betrieben werden. Diese Ionisation führt zu einer höheren Fragmentierung, was die Anzahl messbarer Substanzen erhöht. Neben den bromierten Quellgase können somit auch eine Vielzahl chlorierte Quellgase gemessen werden.

AirCore ist ein innovatives System um stratosphärische Luft zu sammeln, welches an der NOAA in den USA erstmals entwickelt wurde. Die grundlegende Idee hinter AirCore ist, dass man ein langes, aufgewickeltes Rohr, welches auf einer Seite verschlossen und auf einer Seite offen ist, an einem Ballon in die Stratosphäre bis ca. 30 km Höhe bringt. Hierbei wird das Rohr wegen des fallenden Umgebungsdrucks evakuiert. Während des Abstiegs wird das Rohr dann mit stratosphärischer Luft gefüllt. Aufgrund der Länge des Rohres und des laminaren Flusses bei der Füllung wird die Vertikalstruktur größtenteils erhalten; die stratosphärische Luft befindet sich im hinteren (verschlossenen) Teil des AirCores, die troposphärische Luft aus niedrigeren Höhen im vorderen Teil, nahe dem offenen Ende.

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Bilder: Andreas Engel, Johannes Degen, GUF

Mit der Zeit wird das im Rohr enthaltene Vertikalprofil dann durch molekulare Diffusion vermischt. Wenn man die im AirCore enthaltene Luft allerdings möglichst schnell nach einem Flug misst, kann man das Vertikalprofil rekonstruieren. Für die Analyse verwenden wir ein Picarro G2401 Cavity Ring-Down Spektrometer, welches CO2, CH4, CO und Wasserdampf messen kann. Das AirCore System der Universität Frankfurt ist in Engel et al., 2017 im Detail beschrieben. Unser AirCore wiegt mit Elektronik und Schutzhülle ca. 2.5 kg, so dass er auch an kleinen und kostengünstigen Radiosondenballons geflogen werden kann.

Aus den Messungen können wir das mittlere Alter der Luft ableiten, welches uns Informationen über die Zeitskalen für stratosphärischen Transport gibt. AirCore Messungen wurden bereits am meteorologischen Observatorium Lindenberg, in Timmins in Kanada und am geophysikalischen Observatorium Sodankylä in Finnland durchgeführt. Durch regelmäßige AirCore Messungen wollen wir die Langzeitentwicklung des mittleren Alters beobachten, um Änderungen der stratosphärischen Zirkulation zu untersuchen.

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Ballonstart

Zur Messung stratosphärischer Spurengase betreibt das Institut drei ballongetragene kryogene Luftprobensammler. Diese Messungen dienen der Untersuchung stratosphärischer Spurengasbudgets und deren zeitlicher Änderung, sowie zur Untersuchung des stratosphärischen Transports. Messungen mit diesen Sammlern werden seit 1982 durchgeführt, so dass eine lange, intern konsistente Datenreihe zur Verfügung steht. Die proben werden am Institut für Atmosphäre und Umwelt, aber auch bei Kooperationspartners, wie dem Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg, der University of East Anglia in Norwich (England) und dem Institute for Marine and Atmospheric Research Utrecht (IMAU) der Univerität Utrecht gemessen.

Die Luftsammlung erfolgt nach dem Prinzip des whole air sampling, indem die Sammler mit flüssigen Neon auf ca. 27K gekühlt werden, um die einströmende Aussenluft an der Innenseite der Prbenbhälter auszufrieren. Nach dem Auftauen der Proben baut sich in den Behältern ein Überdruck von bis zu 70 bar auf. Die Luftprobensammler werden in Kooperation mit der französischen Weltraumagentur CNES (Centre National d'Études Spatiales) auf Stratosphärenballons geflogen die Höhen bis zu 40 km erreichen können.

Zwei der Sammler wurden am Forschungszentrum Jülich zwischen 1980 und 1985 entwickelt. Diese beiden Sammler (BONBON) haben jeweils 15 Probebehälter mit Volumina von 580, bzw. 350 ml. Im Jahr 2006 wurde an der Universität Frankfurt ein neuer, leichterer Sammler mit 26 Probenbehältern entwickelt, die jeweils ein Volumen von 140 ml haben. Dieser neue Sammler wurde CLAIRE (Cryogenic Lightweight AIRsamlping Experiment) benannt.  Beide Sammlertypen verfügen über innen elektropolierte Edelstahlbehälter, um eine möglichst passive innere Oberfläche und damit eine gute Probenstabilität zu erreichen. Die Einlässe  bestehen aus einem mit einer Glaskappe verschlossenen dünnwandigen Goldrohr. Die Öffnung der Probebehälter erfolgt per Auslösung eines Federstifts durch elektrisches Schmelzen seines Spanndrahtes, der die Glaskappe abschlägt. Das Schließen der Probebehälter erfolgt über die Quetschung des Goldrohres (Kaltschweißen) mittels einer elektrisch gezündeten Sprengkapsel. Hierdurch kann zum einen ein hoher Durchfluss erreicht werden, der auch bei niedrigen Aussendrücken noch eine schnelle Sammlung (Zeitauflösung von wenigen Minuten) ermöglicht, zum anderen kann auf jegliche Art von Kunststoffdichtungen verzichtet werden, was eine Probenkontamination verhindert.

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Luftprobensammler BONBON

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Funktionsschema des Luftprobensammlers

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CLAIRE

Die BONBON Sammler sind für eine Sammlung im Abstieg konstruiert, die Einlässe zeigen nach unten, so wird eine saubere Anströmung der Einlässe erreicht. Der kryogene Luftprobensammler CLAIRE ist extra leicht gebaut und daher für die Luftprobenahme im Aufstieg konstruiert, dies ermöglicht eine Gewichtsreduktion durch andere Dewarmaterialien (Glasfaserverstärkter Kunststoff) und weniger flüssigem Neon. Die Einlässe zeigen nach oben, so dass Proben im Aufstieg gesammelt werden müssen. CLAIRE wiegt inklusive Gondel nur 100 kg und kann daher auch auf kleineren Ballons fliegen.
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Im Gaschromatographischen Labor am Campus Riedberg analysieren wir vor allem Luftproben, die an verschiedenen Standorten oder mit Luftprobensammlern im Flugzeug gesammelt werden. Wir setzen Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie und kryogener Probenanreicherung für die Messung einer großen Palette halogenierter Spurenstoffe in der Atmosphäre ein. Eine Anreicherungseinheit ist notwendig, da die zu messenden halogenierten Substanzen in der Atmosphäre mit sehr geringen Mischungsverhältnissen im Ultraspurenbereich. Sie werden daher zuerst auf einem Adsorptionsmaterial ausgefroren und für die nachfolgende Desorption aufkonzentriert. Nach der gaschromatographischen Trennung werden die zu messenden Substanzen in einem Massenspektrometer detektiert. Die Messungen werden auf international anerkannten Eichskalen durchgeführt, wodurch eine Vergleichbarkeit mit globalen Datensätzen möglich ist. Ergänzend können wir ein Modul des für den Einsatz im Flug entwickelten GhOST-MS auch für die Messung von Luftproben verwenden und Schwefelhexafluorid (SF6) messen, das stärkste bekannte anthropogene Treibhausgas.


Mitarbeitende

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Foto: Uwe Dettmar


AG-Leitung

Apl.- Prof. Dr. Andreas Engel

Experimentelle Atmosphärenforschung: Treibhausgase und ozonzerstörende Sunstanzen
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe Universität Frankfurt am Main

Altenhöferallee 1
60438 Frankfurt am Main

Raum: 3.314
Tel.: +49-(0)69-798-40259
Fax: +49-(0)69-798-40262
E-Mail: an.engel@iau.uni-frankfurt.de

ORCID: 0000-0003-0557-3935


Wissenschaftliche Mitarbeitende

Name
Raum / roomTelefon / phone number +49-(0)69-798-
E-Mail  name@iau.uni-frankfurt.de
Engel, Apl.- Prof. Dr. Andreas3.31440259an.engel
Bauchinger, Sophie3.32240328bauchinger
Degen, Johannes3.32440249degen
Diederich, Thorsten3.32240328diederich
Meixner, Katharina3.32240328meixner
Schuck, Dr. Tanja3.32440249schuck
Trinkl, Franziska3.32440249trinkl
Wagenhäuser, Dr. Thomas3.32240328wagenhaeuser

Publikationen


Lehre

Lehrveranstaltungen

B. Sc. Meteorologie

  • Physik und Chemie der Atmosphäre
  • Physik und Chemie der mittleren Atmosphäre
  • Meteorologisches Instrumentenpraktikum 2

M. Sc. Atmospheric and Climate Science

  • Atmospheric Physics and Chemistry 2

Bachelor- und Masterarbeiten

Es werden regelmäßig Bachelor- und Masterarbeiten in unserer Arbeitsgruppe angeboten.

Bitte kontaktieren Sie uns für aktuelle Themenvorschläge. Eigene Ideen sind willkommen!