Aktuelles
Der Amazonas-Regenwald als Wolkenmaschine: Wie Gewitter und Pflanzen-Ausdünstungen Kondensationskeime erzeugen
Zwei Studien unter Mitwirkung der Goethe-Universität Frankfurt, des Max-Planck-Instituts für Chemie, der Universität Helsinki und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung klären zusammen mit brasilianischen Partnerinstitutionen einen Mechanismus auf, der Auswirkungen auf das Klima hat.
Atmosphärenforschung an der Goethe-Universität: Startschuss für große Flugzeugmesskampagne im australischen Pazifik
In ersten Januartagen startet das Forschungsflugzeug HALO zum dritten Teil der großangelegten CAFE-Expeditionsreihe, die sich mit den Oxidationsprozessen in der Atmosphäre beschäftigt. CAFE steht für „Chemistry of the Atmosphere: Field Experiment“. Das nun gestartete Projekt CAFE-PACIFIC erhebt Daten in der tropischen Region zwischen Indonesien und Nordaustralien, wo die Konvektion, also der vertikale Transport der Luft und damit von Wolken und Wasserdampf, auf der Erde am intensivsten ist.
Forschungsschwerpunkte
Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Erforschung der Mechanismen, die zur Neubildung von Aerosolpartikeln in der Atmosphäre führen. Dieser Prozess wird auch Arosolnukleation genannt.
Die Forschung wird hauptsächlich mit speziellen Massenspektrometern durchgeführt mit denen geringste Konzentrationen von Spurengasen wie Schwefelsäure, Ammoniak und stark oxidierte organische Verbindungen mit hoher Zeitauflösung gemessen werden können. Die Messinstrumente werden z. B. am Taunusobservatorium, im Rahmen des ACTRIS-Projekts eingesetzt. Weiterhin ist die Arbeitsgruppe im CLOUD-Projekt am CERN involviert, bei dem die Partikelneubildung in einem Experiment an einer großen Aerosolkammer untersucht wird. Hier können atmosphärische Bedingungen in einer genau kontrollierbaren Umgebung nachgestellt werden. Außerdem setzen wir unser Massenspektrometer auf dem Forschungsflugzeug HALO ein, beispielsweise im Rahmen der Messkampagnen CAFE-Brazil und CAFE-Pacific, bei denen wir die Partikelneubildung in der tropischen Troposphäre untersucht haben.
Atmosphärische Aerosolpartikel umfassen einen sehr weiten Größenbereich von ca. 1 Nanometer (0,001 Mikrometer) bis hin zu 100 Mikrometer. Die kleinsten dieser Partikel entstehen durch new particle formation (NPF) oder Nukleation, einem Prozess, der mit der Bildung von kleinen Clustern beginnt, welche zunächst nur wenige Moleküle beinhalten. Sehr oft verdampfen diese Cluster schnell wieder, unter geeigneten Bedingungen können sie jedoch thermodynamisch stabile Teilchen bilden. Durch weiteres Wachstum können die neuen Partikel auch Größen erreichen, die sie als Wolkenkondensationskeime qualifizieren (cloud condensation nuclei, CCN, mit Durchmessern von mindestens ca. 50 Nanometer). Aus diesem Grund ist Nukleation ein wichtiger Faktor im Zusammenspiel zwischen Aerosolteilchen, Wolken und Klima. Berechnungen mit globalen Modellen legen nahe, dass etwa die Hälfte der Wolkentröpfchen durch CCN gebildet werden, die ihren Ursprung in der Nukleation haben, wohingegen die andere Hälfte primäre Partikel beinhaltet (diese entstehen unter anderem aus Seesalz, Wüstenstaub, Verbrennung von Biomasse und fossilen Brennstoffen, biologische Komponenten, etc.). Die Untersuchung der Gesundheitseffekte von Nanopartikeln ist ein weiteres aktuelles Forschungsfeld. Da die kleinen Teilchen sehr weit in den Körper vordringen können, können sie potentiell größeren Schaden anrichten als größere Partikel. Trotz der hohen Relevanz, die die Nukleation auf Mensch und Umwelt (Klima) hat, gibt es immer noch viele offene Fragen zu den Prozessen, die bei der Partikelneubildung und dem Wachstum der neuen Teilchen ablaufen.

Die wichtigsten Faktoren, die die Nukleationsrate beeinflussen (das heißt, wie viele Partikel werden pro Zeit und Volumen gebildet) sind die Anwesenheit von geeigneten Spurengasen, deren Konzentrationen, die Temperatur und, im Falle von ioneninduzierter Nukleation, die Ionisierungsrate. Solche wichtigen Spurengase sind hauptsächlich Schwefelsäure, Ammoniak, Amine, Iodoxide, Wasserdampf und hochoxidierte organische Moleküle. In den meisten Fällen kann allerdings ein Spurengas alleine (bei seinen für die Atmosphäre typischen Konzentrationen) nicht effizient neue Teilchen bilden. Aus diesem Grund müssen im Allgemeinen Mischungen vorliegen (z. B. das System Schwefelsäure–Wasser–Ammoniak) und es reicht nicht aus, nur ein einzelnes Spurengas in der Atmosphäre zu messen, um NPF zu beschreiben. Ein weiterer Faktor, der die Erforschung der atmosphärischen Nukleation erschwert, ist die Tatsache, dass viele relevante Spurengase nur extrem geringe Konzentrationen aufweisen. Die Mischungsverhältnisse von Schwefelsäure betragen typischerweise gerade einmal 0,1 pptv (pptv = parts per trillion by volume, d. h. 0,1 pptv entsprechen 1 Molekül in 1013 anderen Luftmolekülen). Trotz allem können solch geringe Konzentrationen wie oben beschrieben einen starken Einfluss auf den Mensch und das Klima haben.
Instrumente und Methoden
In unserer Gruppe kommen eine Vielzahl an Instrumenten zur Messung von Spurengasen und Aerosolpartikeln in der Atmosphäre
zum Einsatz.
Wir verfügen über eine langjährige Expertise mit Nitrat-CI-APi-TOF-Massenspektrometern. Diese Massenspektrometer nutzen die
chemische Ionisationsmethode mit Nitrat-Ionen. Sie werden hauptsächlich für die
Messung von Schwefelsäure und hochoxidierten organischen Molekülen (HOM) in der
Gasphase eingesetzt – sowohl in Feld- als auch Laborstudien. Auch für die
Messungen mit dem Messflugzeug HALO verwenden wir ein
Nitrat-CI-APi-TOF-Instrument. Die Methode erlaubt Messungen im Bereich von
parts per quadrillion (ppqv), d. h. bei Mischungsverhältnissen von nur einem
Molekül der Substanz pro 1015 Luftmolekülen! Zur Kalibrierung von
Schwefelsäure haben wir eine eigene Kalibriereinheit entwickelt.
Darüber hinaus verwenden wir eine Vielzahl von weiteren Messinstrumenten und Methoden, um Aerosolpartikel und Spurengase in der Atmosphäre zu bestimmen. In den folgenden Untermenüs finden Sie mehr Informationen zu den einzelnen Geräten. Eine Übersicht über die Instrumente an unserer ACTRIS-Messstation am Taunus-Observatorium finden Sie auf der Projektseite von ACTRIS.
Schwefelsäure (H2SO4) ist eines der wichtigsten Spurengase, welches zur Bildung von neuen Teilchen (Nukleation) in der Atmosphäre beiträgt. Feld- und Labormessungen zeigen üblicherweise eine sehr ausgeprägte Korrelation zwischen der Partikel-Neubildungsrate (für Partikel im Größenbereich 1 bis 2 nm) und der Konzentration von Schwefelsäure. Aus diesem Grund ist die hochgenaue Messung der Schwefelsäure in der Gasphase essentiell um Nukleation besser zu verstehen. Die Messungen führen wir mit einem nitrate Chemical Ionization-Atmospheric Pressure interface-Time Of Flight mass spectrometer (CI-APi-TOF) durch. Exakte und reproduzierbare Messungen sind allerdings nur realisierbar, wenn das Messgerät regelmäßig mit bekannten Schwefelsäure-Konzentrationen kalibriert wird. Aus diesem Grund haben wir eine Methode entwickelt, die bekannte Konzentrationen an H2SO4 im Bereich von ~1⋅107 und 5⋅109 Moleküle cm-3 generiert und für den atmosphärisch relevanten Bereich angewendet werden kann (Kürten et al., 2012).
Die Erzeugung von bekannten Mengen an Schwefelsäure gelingt, indem definierte Mengen an Stickstoff, Sauerstoff, Schwefeldioxid und Wasserdampf in einer Quarzglas-Röhre unter Vorhandensein von intensivem UV Licht (185 nm von einer Quecksilberlampe) reagieren. Ein einfaches Chemiemodell berechnet die resultierende Schwefelsäurekonzentration durch die ablaufenden Reaktionen, die durch die Photolyse von Wasserdampf (Bildung von OH-Radikalen) eingeleitet wird. Die Kalibriereinheit ist portabel und kann bei Feld- und Labormessungen eingesetzt werden. Der abgeschätzte Fehler der Schwefelsäuremessung mit einem kalibrierten nitrate CI-APi-TOF liegt bei ~30%.
Die Kalibrierkonstante für die Schwefelsäuremessung kann ebenso für die Bestimmung der Konzentration von hochoxidierten organischen Molekülen (HOM) verwendet werden. Da die HOM allerdings einen völlig anderen Bereich im Massenspektrum abdecken (ca. 200 bis 650 Th) als Schwefelsäure (hauptsächlich 97 und 160 Th) muss für diese eine Korrektur bezogen auf die Transmissionseffizienz des Massenspektrometers angewendet werden. Diese erfordert eine separate Kalibration, die durch Heinritzi et al. (2016) beschrieben wurde. Allerdings wird hervorgehoben, dass die Transmissions-Kalibration nicht für die Schwefelsäure-Messung notwendig ist, sondern nur für HOM-Messungen.
- Kondensationszähler (CPC) für ultrafeine Partikel (UFP) mit Butanol als Kondensationsmittel
- Partikelgrößenanalysator (PSM)
- Nano-Differential-Mobility-Analysator (nano-DMA)
- Nano- und Long-Scanning-Mobility-Partikelmessgerät (SMPS)
- Optischer Partikelzähler (OPC)
- Aerodynamisches Partikelmessgerät (APS)
- Hochauflösender DMA
- Spurengasmessgeräte für SO2, O3, NOx, CO2 und CO
Mitarbeitende
Foto: Uwe Dettmar
AG-Leitung
Prof. Dr. Joachim Curtius
Experimentelle Atmosphärenforschung: Aerosol und Spurengase
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe Universität Frankfurt am Main
Altenhöferallee 1
60438 Frankfurt am Main
Raum: 3.315
Tel.: +49-(0)69-798-40258
E-Mail:
curtius@iau.uni-frankfurt.de
ORCID: 0000-0003-3153-4630
Wissenschaftliche Mitarbeitende
| Name | Raum / room | Telefon / phone number +49-(0)69-798- | E-Mail name@iau.uni-frankfurt.de |
| Curtius, Prof. Dr. Joachim | 3.315 | 40258 | curtius |
| Bhattacharyya, Dr. Nirvan | 3.317 | 40260 | bhattacharyya |
| Granzin, Manuel | 3.325 | 40250 | granzin |
| Heinritzi, Dr. Martin | 3.320 | 40255 | heinritzi |
| Ivanova, Dr. Ekaterina | 3.323 | 40252 | ivanova |
| Klebach, Hannah | 3.323 | 40252 | klebach |
| Kürten, PD Dr. Andreas | 3.318 | 40256 | kuerten |
| Notni, Lennart | 3.317 | 40260 | notni |
| Tripathi, Dr. Nidhi | 3.317 | 40260 | tripathi |
| Zauner-Wieczorek, Dr. Marcel | 3.323 | 40252 | zauner-wieczorek |
Publikationen
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- Schrod, Jann et al. (2017) Ice nucleating particles over the Eastern Mediterranean measured by unmanned aircraft systems. ATMOSPHERIC CHEMISTRY AND PHYSICS. 17
Lehre
Lehrveranstaltungen
B. Sc. Meteorologie
- Einführung in die Meteorologie 1: Allgemeine Meteorologie
- Physik und Chemie der Atmosphäre
- Meteorologisches Instrumentenpraktikum 1
- LabVIEW Programmierpraktikum
M. Sc. Atmospheric and Climate Science
- Atmospheric Physics and Chemistry 2
Bachelor- und Masterarbeiten
- Anteilige Druckkosten für Abschlussarbeiten können eventuell über QSL-Mittel übernommen werden. Wenden Sie sich dazu bitte an sekretrariat@iau.uni-frankfurt.de
- Richtlinien zur Erstellung der MSc-Arbeit (für die Erstellung der BSc-Arbeit können Sie sich an diesen Richtlinien orientieren)
Outreach
Vorträge zum Thema Klimawandel, Luftqualität und Atmosphärenchemie durch Prof. Curtius Führungen am Taunusobservatorium auf dem Kleinen Feldberg Praktika für Schüler*innen und Student*innen in unserer Arbeitsgruppe Für Schulklassen: Vorträge in Ihrer Schule oder Führungen am Taunusobservatorium
Bücher und Artikel in Zeitschriften für die breite Öffentlichkeit
- Wendisch, M. und J. Curtius, Die wundersame Welt der Wolken, Physik Journal, 43-47, 07/2017
- Curtius, J. (2018) „Anthropogene Erwärmung und extreme Wetterereignisse“ in: Lozán, J. L. S.-W. Breckle, H. Graßl, D. Kasang & R. Weisse (Hrsg.). Warnsignal Klima: Extremereignisse. pp. 27-31. Online: www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de. doi:10.2312/warnsignal.klima.extremereignisse.04.
- Curtius, J., Vorwort: Herbst, in B. Werner, Bildband Sturmjäger, Frederking & Thaler
- Schmidt, J., M. Wendisch, J. Curtius, M. Scheinert, B.-M. Sinnhuber, Über den Wolken, forschung – Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 4-9, 2/2018.