AG Aerosol und Spurengase

Bild: P. Holzbeck, MPI für Chemie


Aktuelles

Dez 4
14:00 Uhr

Der Amazonas-Regenwald als Wolkenmaschine: Wie Gewitter und Pflanzen-Ausdünstungen Kondensationskeime erzeugen

Zwei Studien unter Mitwirkung der Goethe-Universität Frankfurt, des Max-Planck-Instituts für Chemie, der Universität Helsinki und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung klären zusammen mit brasilianischen Partnerinstitutionen einen Mechanismus auf, der Auswirkungen auf das Klima hat.

→ Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt

Jan 9
13:00 Uhr

Atmosphärenforschung an der Goethe-Universität: Startschuss für große Flugzeugmesskampagne im australischen Pazifik

In ersten Januartagen startet das Forschungsflugzeug HALO zum dritten Teil der großangelegten CAFE-Expeditionsreihe, die sich mit den Oxidationsprozessen in der Atmosphäre beschäftigt. CAFE steht für „Chemistry of the Atmosphere: Field Experiment“. Das nun gestartete Projekt CAFE-PACIFIC erhebt Daten in der tropischen Region zwischen Indonesien und Nordaustralien, wo die Konvektion, also der vertikale Transport der Luft und damit von Wolken und Wasserdampf, auf der Erde am intensivsten ist.

→ Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt


Forschungsschwerpunkte

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Erforschung der Mechanismen, die zur Neubildung von Aerosolpartikeln in der Atmosphäre führen. Dieser Prozess wird auch Arosolnukleation genannt.

Die Forschung wird hauptsächlich mit speziellen Massenspektrometern durchgeführt mit denen geringste Konzentrationen von Spurengasen wie Schwefelsäure, Ammoniak und stark oxidierte organische Verbindungen mit hoher Zeitauflösung gemessen werden können. Die Messinstrumente werden z. B. am Taunusobservatorium, im Rahmen des ACTRIS-Projekts eingesetzt. Weiterhin ist die Arbeitsgruppe im CLOUD-Projekt am CERN involviert, bei dem die Partikelneubildung in einem Experiment an einer großen Aerosolkammer untersucht wird. Hier können atmosphärische Bedingungen in einer genau kontrollierbaren Umgebung nachgestellt werden. Außerdem setzen wir unser Massenspektrometer auf dem Forschungsflugzeug HALO ein, beispielsweise im Rahmen der Messkampagnen CAFE-Brazil und CAFE-Pacific, bei denen wir die Partikelneubildung in der tropischen Troposphäre untersucht haben.

Atmosphärische Aerosolpartikel umfassen einen sehr weiten Größenbereich von ca. 1 Nanometer (0,001 Mikrometer) bis hin zu 100 Mikrometer. Die kleinsten dieser Partikel entstehen durch new particle formation (NPF) oder Nukleation, einem Prozess, der mit der Bildung von kleinen Clustern beginnt, welche zunächst nur wenige Moleküle beinhalten. Sehr oft verdampfen diese Cluster schnell wieder, unter geeigneten Bedingungen können sie jedoch thermodynamisch stabile Teilchen bilden. Durch weiteres Wachstum können die neuen Partikel auch Größen erreichen, die sie als Wolkenkondensationskeime qualifizieren (cloud condensation nuclei, CCN, mit Durchmessern von mindestens ca. 50 Nanometer). Aus diesem Grund ist Nukleation ein wichtiger Faktor im Zusammenspiel zwischen Aerosolteilchen, Wolken und Klima. Berechnungen mit globalen Modellen legen nahe, dass etwa die Hälfte der Wolkentröpfchen durch CCN gebildet werden, die ihren Ursprung in der Nukleation haben, wohingegen die andere Hälfte primäre Partikel beinhaltet (diese entstehen unter anderem aus Seesalz, Wüstenstaub, Verbrennung von Biomasse und fossilen Brennstoffen, biologische Komponenten, etc.). Die Untersuchung der Gesundheitseffekte von Nanopartikeln ist ein weiteres aktuelles Forschungsfeld. Da die kleinen Teilchen sehr weit in den Körper vordringen können, können sie potentiell größeren Schaden anrichten als größere Partikel. Trotz der hohen Relevanz, die die Nukleation auf Mensch und Umwelt (Klima) hat, gibt es immer noch viele offene Fragen zu den Prozessen, die bei der Partikelneubildung und dem Wachstum der neuen Teilchen ablaufen. 

Die wichtigsten Faktoren, die die Nukleationsrate beeinflussen (das heißt, wie viele Partikel werden pro Zeit und Volumen gebildet) sind die Anwesenheit von geeigneten Spurengasen, deren Konzentrationen, die Temperatur und, im Falle von ioneninduzierter Nukleation, die Ionisierungsrate. Solche wichtigen Spurengase sind hauptsächlich Schwefelsäure, Ammoniak, Amine, Iodoxide, Wasserdampf und hochoxidierte organische Moleküle. In den meisten Fällen kann allerdings ein Spurengas alleine (bei seinen für die Atmosphäre typischen Konzentrationen) nicht effizient neue Teilchen bilden. Aus diesem Grund müssen im Allgemeinen Mischungen vorliegen (z. B. das System Schwefelsäure–Wasser–Ammoniak) und es reicht nicht aus, nur ein einzelnes Spurengas in der Atmosphäre zu messen, um NPF zu beschreiben. Ein weiterer Faktor, der die Erforschung der atmosphärischen Nukleation erschwert, ist die Tatsache, dass viele relevante Spurengase nur extrem geringe Konzentrationen aufweisen. Die Mischungsverhältnisse von Schwefelsäure betragen typischerweise gerade einmal 0,1 pptv (pptv = parts per trillion by volume, d. h. 0,1 pptv entsprechen 1 Molekül in 1013 anderen Luftmolekülen). Trotz allem können solch geringe Konzentrationen wie oben beschrieben einen starken Einfluss auf den Mensch und das Klima haben.


Instrumente und Methoden

In unserer Gruppe kommen eine Vielzahl an Instrumenten zur Messung von Spurengasen und Aerosolpartikeln in der Atmosphäre zum Einsatz.

Wir verfügen über eine langjährige Expertise mit Nitrat-CI-APi-TOF-Massenspektrometern. Diese Massenspektrometer nutzen die chemische Ionisationsmethode mit Nitrat-Ionen. Sie werden hauptsächlich für die Messung von Schwefelsäure und hochoxidierten organischen Molekülen (HOM) in der Gasphase eingesetzt – sowohl in Feld- als auch Laborstudien. Auch für die Messungen mit dem Messflugzeug HALO verwenden wir ein Nitrat-CI-APi-TOF-Instrument. Die Methode erlaubt Messungen im Bereich von parts per quadrillion (ppqv), d. h. bei Mischungsverhältnissen von nur einem Molekül der Substanz pro 1015 Luftmolekülen! Zur Kalibrierung von Schwefelsäure haben wir eine eigene Kalibriereinheit entwickelt.

Darüber hinaus verwenden wir eine Vielzahl von weiteren Messinstrumenten und Methoden, um Aerosolpartikel und Spurengase in der Atmosphäre zu bestimmen. In den folgenden Untermenüs finden Sie mehr Informationen zu den einzelnen Geräten. Eine Übersicht über die Instrumente an unserer ACTRIS-Messstation am Taunus-Observatorium finden Sie auf der Projektseite von ACTRIS.


Beim Nitrat-CI-APi-TOF handelt es sich um ein Flugzeit-Massenspektrometer mit chemischer Ionisation durch das Nitrat-Ion. Dieses Gerät hat eine Massenauflösung von bis zu 12.000 und einen Massenbereich bis 2000 Da. Die Ionenquelle nutzt eine Koronaentladung, um aus Salpetersäure die Primärionen (HNO3)0–2NO3 zu erzeugen, welche Spurengase mit besonders niedriger Flüchtigkeit, z.B. Schwefelsäure, Methansulfonsäure, Iodsäure oder hochoxidierte organische Moleküle (HOM), ionisieren und damit messbar machen können. Das Nitrat-CI-APi-TOF ist für die Messung von gasförmiger Schwefelsäure kalibriert (Kürten et al. 2012) und eine Transmissionskalibrierung ermöglicht die Ableitung von Konzentrationen für andere Massen (Heinritzi et al. 2016). 

Geräte dieses Modells kommen bei mehreren unseren Projekte zum Einsatz: beim CLOUD-Experiment am CERN, bei den Flugzeugkampagnen in den Tropen auf dem Forschungsflugzeug HALO und an der ACTRIS-Messstation auf dem Taunus-Observatorium.

AG_Aerosol_LTOF_drawing_Kuerten_2014
AG_Aerosol_Calibration-System

Schwefelsäure (H2SO4) ist eines der wichtigsten Spurengase, welches zur Bildung von neuen Teilchen (Nukleation) in der Atmosphäre beiträgt. Feld- und Labormessungen zeigen üblicherweise eine sehr ausgeprägte Korrelation zwischen der Partikel-Neubildungsrate (für Partikel im Größenbereich 1 bis 2 nm) und der Konzentration von Schwefelsäure. Aus diesem Grund ist die hochgenaue Messung der Schwefelsäure in der Gasphase essentiell um Nukleation besser zu verstehen. Die Messungen führen wir mit einem nitrate Chemical Ionization-Atmospheric Pressure interface-Time Of Flight mass spectrometer (CI-APi-TOF) durch. Exakte und reproduzierbare Messungen sind allerdings nur realisierbar, wenn das Messgerät regelmäßig mit bekannten Schwefelsäure-Konzentrationen kalibriert wird. Aus diesem Grund haben wir eine Methode entwickelt, die bekannte Konzentrationen an H2SO4 im Bereich von ~1⋅107 und 5⋅109 Moleküle cm-3 generiert und für den atmosphärisch relevanten Bereich angewendet werden kann (Kürten et al., 2012).

Die Erzeugung von  bekannten Mengen an Schwefelsäure gelingt, indem definierte Mengen an Stickstoff, Sauerstoff, Schwefeldioxid und Wasserdampf in einer Quarzglas-Röhre unter Vorhandensein von intensivem UV Licht (185 nm von einer Quecksilberlampe) reagieren. Ein einfaches Chemiemodell berechnet die resultierende Schwefelsäurekonzentration durch die ablaufenden Reaktionen, die durch die Photolyse von Wasserdampf (Bildung von OH-Radikalen) eingeleitet wird. Die Kalibriereinheit ist portabel und kann bei Feld- und Labormessungen eingesetzt werden. Der abgeschätzte Fehler der Schwefelsäuremessung mit einem kalibrierten nitrate CI-APi-TOF liegt bei ~30%.  

Die Kalibrierkonstante für die Schwefelsäuremessung kann ebenso für die Bestimmung der Konzentration von hochoxidierten organischen Molekülen (HOM) verwendet werden. Da die HOM allerdings einen völlig anderen Bereich im Massenspektrum abdecken (ca. 200 bis 650 Th) als Schwefelsäure (hauptsächlich 97 und 160 Th) muss für diese eine Korrektur bezogen auf die Transmissionseffizienz des Massenspektrometers angewendet werden. Diese erfordert eine separate Kalibration, die durch Heinritzi et al. (2016) beschrieben wurde. Allerdings wird hervorgehoben, dass die Transmissions-Kalibration nicht für die Schwefelsäure-Messung notwendig ist, sondern nur für HOM-Messungen.

  • Kondensationszähler (CPC) für ultrafeine Partikel (UFP) mit Butanol als Kondensationsmittel
  • Partikelgrößenanalysator (PSM)
  • Nano-Differential-Mobility-Analysator (nano-DMA)
  • Nano- und Long-Scanning-Mobility-Partikelmessgerät (SMPS)
  • Optischer Partikelzähler (OPC)
  • Aerodynamisches Partikelmessgerät (APS)
  • Hochauflösender DMA
  • Spurengasmessgeräte für SO2, O3, NOx, CO2 und CO


Mitarbeitende

AG_Aerosol_Gruppenfoto

Foto: Uwe Dettmar


AG-Leitung

joachim_curtius Prof. Dr. Joachim Curtius

Experimentelle Atmosphärenforschung: Aerosol und Spurengase
Institut für Atmosphäre und Umwelt
Goethe Universität Frankfurt am Main

Altenhöferallee 1
60438 Frankfurt am Main

Raum: 3.315
Tel.: +49-(0)69-798-40258
E-Mail:  curtius@iau.uni-frankfurt.de

Researcher-ID: A-2681-2011

ORCID: 0000-0003-3153-4630


Wissenschaftliche Mitarbeitende

Name
Raum / roomTelefon / phone number  +49-(0)69-798-
E-Mail  name@iau.uni-frankfurt.de
Curtius, Prof. Dr. Joachim3.31540258curtius
Bhattacharyya, Dr. Nirvan3.31740260bhattacharyya
Granzin, Manuel3.32540250granzin
Heinritzi, Dr. Martin3.32040255heinritzi
Ivanova, Dr. Ekaterina3.32340252ivanova
Klebach, Hannah3.32340252klebach
Kürten, PD Dr. Andreas3.31840256kuerten
Notni, Lennart3.31740260notni
Tripathi, Dr. Nidhi3.31740260tripathi
Zauner-Wieczorek, Dr. Marcel3.32340252zauner-wieczorek

Publikationen


Lehre

Lehrveranstaltungen

B. Sc. Meteorologie

  • Einführung in die Meteorologie 1: Allgemeine Meteorologie
  • Physik und Chemie der Atmosphäre
  • Meteorologisches Instrumentenpraktikum 1
  • LabVIEW Programmierpraktikum

M. Sc. Atmospheric and Climate Science

  • Atmospheric Physics and Chemistry 2

Bachelor- und Masterarbeiten

Es werden regelmäßig Bachelor- und Masterarbeiten in unserer Arbeitsgruppe angeboten. 
Bitte kontaktieren Sie uns für aktuelle Themenvorschläge. Eigene Ideen sind willkommen!

Outreach

Falls Sie Interesse haben, unsere Arbeit näher kennenzulernen, kontaktieren Sie bitte den Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Joachim Curtius. Wir bieten aktuell folgende Aktivitäten an:

  • Vorträge zum Thema Klimawandel, Luftqualität und Atmosphärenchemie durch Prof. Curtius
  • Führungen am Taunusobservatorium auf dem Kleinen Feldberg
  • Praktika für Schüler*innen und Student*innen in unserer Arbeitsgruppe
  •  Für Schulklassen: Vorträge in Ihrer Schule oder Führungen am Taunusobservatorium

Bücher und Artikel in Zeitschriften für die breite Öffentlichkeit

  • Wendisch, M. und J. Curtius, Die wundersame Welt der Wolken, Physik Journal, 43-47, 07/2017
  • Curtius, J. (2018) „Anthropogene Erwärmung und extreme Wetterereignisse“ in: Lozán, J. L. S.-W. Breckle, H. Graßl, D. Kasang & R. Weisse (Hrsg.). Warnsignal Klima: Extremereignisse. pp. 27-31. Online: www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de. doi:10.2312/warnsignal.klima.extremereignisse.04.
  • Curtius, J., Vorwort: Herbst, in B. Werner, Bildband Sturmjäger, Frederking & Thaler
  • Schmidt, J., M. Wendisch, J. Curtius, M. Scheinert, B.-M. Sinnhuber, Über den Wolken, forschung – Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 4-9, 2/2018.