Forschung

Mobilitätsforschung

Mit unserer Arbeit im Frankfurt Lab for Social-Ecological Transformation of Urban Mobility (kurz: SET-Mobility) wollen wir die sozial-ökologische Transformation des Mobilitätssystems erforschen und zugleich Beiträge für diesen Transformationsprozess in der Praxis leisten. Gemeinsam ist unseren Forschungsprojekten, dass wir einen Fokus auf urbane Räume im Neubau oder Bestand legen. Zugleich wollen wir damit den Blick auf regionale Entwicklungen offenhalten. In SET-Mobility sind wir offen für vielfältige wissenschaftliche Methoden und verfügen über Kompetenzen aus der (Human-)Geographie, Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Kulturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Planung. In Drittmittelprojekten arbeiten wir mit Praxisakteuren zusammen, häufig in transdisziplinären Reallaboren.

Stadtforschung

Unsere stadtgeographische Forschung fasst das Städtische dialektisch als Ausdruck und Produzent gesellschaftlicher Verhältnisse. Im Zentrum der Analyse stehen Macht-, Herrschafts- und Ungleichheitsverhältnisse, die in ökonomischen, politischen, sozialen, kulturellen und ökologischen Prozessen hervorgebracht werden, sich in städtischen Räumen materialisieren und selbst durch die räumliche Organisation von und zwischen Städten geprägt werden. Ein Ausloten der Spannungsfelder, Konflikte und Widersprüche, die so entstehen, verbindet die verschiedenen Forschungsprojekte und -schwerpunkte der Frankfurter Stadtgeographie. Als konkrete Themen beschäftigen uns zurzeit etwa Städte als Knotenpunkte globaler Migrationsprozesse, urbane Asylregime, städtische Sicherheitspolitiken, die Wohnungsfrage und Gentrifizierung sowie städtische soziale Bewegungen. Diese Themen bearbeiten wir überwiegend im Kontext materialistischer und poststrukturalistischer Theorieangebote. Zugleich tragen wir zu diesen und verwandten Theoriedebatten bei. Dabei stehen theoretische Begriffe wie Soziale Reproduktion (Feminist Political Economy), Finanzialisierung (Political Economy), Mensch-Natur-Verhältnisse (More-Than-Human-Geographies), Gerechtigkeit (Legal Geographies) oder Rassismus im Zentrum.

Our research considers the ways digital technologies are transforming societies. From the practices through which every day social and commercial interaction takes place to the variety of new technologies for borders and processes of bordering, what is called “digitalisation” comprises altered ways of knowing and experiencing space and thus geography more broadly. Digital technologies are involved in the creation of distinct geographies, such as those of urban or transnational circulations, but are also themselves the result of a globally uneven geography of production, consumption, and its afterlives. These “digital geographies” pose a series of dilemmas, notably promising more social and economic freedoms whilst simultaneously centralising forms of control and accumulation. The main foci of our research concern how digital technologies are altering economic processes – such as those of work, marketisation and global/local circulations – as well as the cultural and political geographies of gender, sexuality, race and other practices of boundary making and transgressing occurring through a myriad of “digital spaces”.

Wohnungsforschung / Housing Studies

Alle müssen wohnen. Daher kommt dem Wohnen als einer gesellschaftlichen und räumlichen Praxis eine große Bedeutung zu. Im Wohnen spiegeln sich wie in kaum einem anderen Aspekt des menschlichen Lebens gesellschaftliche Transformationsprozesse. Epochale Umbrüche wie Klimawandel, Digitalisierung und wachsende soziale Ungleichheit zeigen sich daher – wie durch eine Linse – auch im Bereich des Wohnens. Mit unserem Verständnis von Wohnungsforschung knüpfen wir an Debatten der internationalen Housing Studies an. Demnach ist das Wohnen unter kapitalistischen Verhältnissen grundsätzlich strukturiert von seiner widersprüchlichen Eigenschaft als Ware einerseits und Grundbedürfnis andererseits. Daraus ergibt sich unter anderem, dass die Ausgestaltung der Wohnungsversorgung beständig von konflikthaften gesellschaftlichen und politischen Aushandlungsprozessen geprägt ist. Forschungsprojekte in diesem Schwerpunkt richten den Blick auf das Verhältnis zwischen politischer Regulierung und Steuerung der Wohnungsversorgung, der Produktion und Bewirtschaftung von Wohnraum sowie den alltäglichen sozialen Praktiken des Wohnens.

Wirtschaftsgeographie

Wir verstehen unsere Forschung im Sinne einer pluralistischen Wirtschaftsgeographie, die politökonomische, sozioökonomische und kulturtheoretisch informierte Ansätze vereint, um die Intensivierung grenzüberschreitender Bewegungen von Kapital, Gütern, Arbeitskräften und Ideen im globalen Zeitalter auf theoretischer sowie empirischer Ebene zu fassen.

Der Schwerpunkt unserer Forschungsprojekte liegt auf der mit Globalisierungsprozessen verbundenen weltweiten Ausbreitung von Märkten und marktwirtschaftlichen Steuerungsprinzipien. Diese wird getragen von internationalen Organisationen und transnationalen Unternehmen, einer in globalen Wertschöpfungsketten organisierten Produktion, neuen Konsummustern, weltweit verfügbaren Politik-Rezepten und wissenschaftlichen Modellen mit vermeintlich universaler Gültigkeit. Wir verstehen Märkte jedoch keineswegs als präkonfigurierte, quasi natürliche Entitäten, sondern als soziale Projekte und praktische Realisierungen ökonomischer Modelle, die sich aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven rekonstruieren lassen. Dabei stehen die Voraussetzungen, Mechanismen und Folgen von marktwirtschaftlichen Steuerungsprinzipien im Zentrum unseres Forschungsinteresses.

Geographiedidaktik

Geographische Bildung vollzieht sich in raumbezogener Kommunikation.
Sprachlich, auditiv und visuell entsteht nicht nur unsere Vorstellung von Raum, sondern entscheidet sich auch, was wir von der Welt wissen können und dürfen. (Geo-)Medien sind bestimmende Elemente raumbezogener Kommunikation und wirken als solche auf gesellschaftliche Entwicklungen ein. Im Umgang mit ihnen verändert sich sowohl unser Verhältnis zur Welt, als auch unser Verhältnis zu uns selbst.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsbereichs wenden sich theoriegeleitet und praxisbezogen diesen Prozessen – auch im Kontext der Digitalität – zu. Sie untersuchen u.a., wie das Verhältnis von Gesellschaft, Natur und Raum in verschiedenen Bildungskontexten kommunikativ wirklich wird und wie metakognitive Fähigkeiten, wie z. B. reflexives Denken, beim Lernen mit (Geo-)Medien gefördert werden können.

Geoinformation

Interessen der AG Geoinformation liegen in verschiedenen Aspekten räumlicher Informationsverarbeitung wie der Geovisualisierung und Kartographie sowie dem kritischen und reflektierten Umgang mit der Verarbeitung und Darstellung räumlicher Informationen. Neben Geographischen Informationssystemen bildet der Einsatz quantitativer Methoden als Instrumenten der Stadt- und Regionalforschung einen weiteren Schwerpunkt der Arbeitsgruppe. Wir bearbeiten sowohl anwendungsorientierte Projekte als auch gesellschaftstheoretische Fragestellungen.

Geographien von Mensch-Natur-Verhältnissen

Der Schwerpunkt nimmt die an die Wissenschaft angesichts multi-skalarer Krisen gestellten Forderungen auf, die Lebendigkeit der Nicht-menschlichen Welt ernst zu nehmen und post-anthropozentrische Perspektiven konzeptionell, empirisch und praktisch weiterzuentwickeln.

Im Sinne des Planetary Thinking erforschen wir das Zusammenwirken von menschlichen und nicht-menschlichen Lebensformen in räumlicher Perspektive. Erkenntnistheoretisch und methodisch suchen wir dabei nach passenden und unkonventionellen Zugängen jenseits eines selbstverständlich vorausgesetzten Dualismus von Natur und Mensch. Übergeordnetes Ziel unserer Forschung ist es, Bedingungen für die nachhaltige Bewohnbarkeit des gemeinschaftlich geteilten planetaren Lebensraums zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und für die bewahrende und gestalterische Praxis verfügbar zu machen. Dafür ist unser Anspruch, nicht-menschliche Modi der Raumerzeugung und -aneignung bedingungslos anzuerkennen und anders-als menschliche Perspektiven so weit wie möglich nachzuvollziehen. Vor diesem Hintergrund ergeben sich unsere verschiedenen raumbezogenen Forschungsgegenstände im Feld der neuen Tiergeographie und einer mehr-als menschlichen politischen Ökologie.

Wir arbeiten zu Städten als geteilte Lebensräume und versuchen, Konzepte wie „environmental justice“ oder „Recht auf Stadt“ mehr-als-menschlich zu fassen, beschäftigen uns aus postkolonialer Perspektive mit Natur- und Artenschutzprojekten im globalen Süden und Norden, interessieren uns für Mensch-Mitwelt-Beziehungen in ökonomisierten Kontexten (von Ökonomisierung und Vermarktlichung von Wildnis bis zu co-produktiven Formen in der Agrarwirtschaft), forschen zu visuellen Geographien hybrider Landschaften u.v.m..

Forschungspraktisch greifen unsere Untersuchungen auf etablierte und experimentelle qualitativ ausgerichtete Methoden zurück. Dazu gehören u.a. der methodologische Situationismus, Multispecies ethnographies oder das visuelle Fabulieren.